In dem Blog-Artikel „Reflections on my first year writing full time“ schreibt der Autor Henrik Karlsson Folgendes:
Thinking back, a frustrating thing about living in an unconventional way was that we felt like we weren’t allowed to complain about our problems. Maybe this is a Swedish thing. But if you break the script and then run into problems, people (not all people, but many) take it as proof that you were wrong and they were right.
Grundsätzlich sehe ich ähnliche Effekte hier in Deutschland (und wahrscheinlich überall auf der Welt). Unkonventionelles, vielleicht sogar nicht gesellschaftskonformes Verhalten wird belächelt und das spätere Scheitern mit einem sicheren „Es war klar, dass das nicht klappt“ kommentiert. Die entscheidenden Fragen sind also: 1. wie sicher ist man sich, dass etwas gelingt und besser ist als der konventionelle Weg und 2. ist man bereit wenig verständnisvolle Reaktionen auf dem Weg und vor allem in den Momenten des Scheiterns zu akzeptieren?
Theodore Roosevelt prägte in seiner berühmten Rede „Citizenship in a Republic“ den Begriff vom „Man in the Arena“.
Er erinnerte daran, dass es nicht der Kritiker ist, der zählt; nicht derjenige, der aufzeigt, wie der Starke stolpert oder wo der Macher es hätte besser machen können. Die Anerkennung gebührt dem, der tatsächlich in der Arena steht, dessen Gesicht staubig, verschwitzt und voller Blut ist. Der sich irrt und immer wieder scheitert, weil es keine Anstrengung ohne Irrtum und Unzulänglichkeit gibt.

Wenn wir uns für den unkonventionellen Weg entscheiden, betreten wir diese Arena. Wir verlassen die gefüllten Zuschauerränge, auf denen der gesellschaftliche Konsens sitzt und bewertet.
Nimm als klassisches Beispiel den deutschen Goldstandard des Erwachsenwerdens: Den Kauf einer selbstgenutzten Immobilie.
Das Eigenheim ist die ultimative gesellschaftskonforme Handlung. Wenn du dich hoch verschuldest, um ein Haus zu kaufen, nicken alle anerkennend. Du folgst dem Skript. Wenn dann die Heizung kaputtgeht, die Zinsen steigen oder das Dach undicht ist, erhältst du Mitleid und Verständnis. Du darfst dich beschweren. Deine Probleme sind „normale“ Probleme. Sie sind gesellschaftlich validiertes Leid. Niemand wird sagen: „Hättest du mal lieber zur Miete gewohnt und das Geld investiert.“ Stattdessen heißt es: „Ja, das ist der Preis des Eigentums, das kennen wir auch.“ Du scheiterst oder leidest im Kollektiv.
Vergleiche das nun mit dem eigenen, unkonventionellen Weg: Der Gründung einer vermögensverwaltenden GmbH (vvGmbH).
Du entscheidest dich gegen das Eigenheim und dafür, dein Kapital in einer komplexen Firmenstruktur zu bündeln, um steueroptimiert in Aktien oder Beteiligungen zu investieren. Du verlässt das Skript. Du handelst nach deinen eigenen Prinzipien und Überlegungen.
Doch wehe, hier läuft etwas schief.
Vielleicht steigen die Verwaltungskosten, das Finanzamt macht Ärger oder die Investments innerhalb der GmbH performen schlecht. Wenn du dich jetzt beschwerst, ist wenig Empathie zu erwarten.
„Warum musstest du es auch so kompliziert machen?“
„So eine komische Holding-Struktur ist doch auch Quatsch.“
„Hättest du mal was Solides gekauft.“
Das Scheitern auf dem unkonventionellen Weg ist einsam. Es wird nicht als unvermeidbarer Teil des Lebens gesehen (wie beim Hausbesitzer), sondern als Beweis für deinen Hochmut. Wer den sicheren Pfad verlässt, so die Logik der Masse, hat das Recht auf Empathie verwirkt.
Aber hier liegt die Antwort auf die zweite Frage: Sind wir bereit, das zu akzeptieren?
Wir müssen es sein. Denn die Alternative ist das, was Bronnie Ware als das größte Bedauern Sterbender beschrieb: Ein Leben gelebt zu haben, das andere von einem erwarteten, nicht das, was man selbst wollte.
Lieber bin ich der „Man in the Arena“ mit meiner vvGmbH, der sich mit Jahresabschlüssen und Marktvolatilität herumschlägt und dabei Fehler macht, als der Zuschauer im sicher finanzierten Reihenhaus, der sich fragt, was möglich gewesen wäre.
Wenn wir scheitern, dann scheitern wir wenigstens an unseren eigenen Ambitionen und nicht an den Erwartungen anderer. Die Genugtuung der Kritiker mag kurzfristig schmerzen, aber das Wissen, nach eigenen Werten gehandelt zu haben, wiegt langfristig schwerer als jedes „Ich hab’s dir doch gesagt“.
Letztlich ist die vvGmbH hier nur eine Metapher. Es geht um die bewusste Entscheidung für die eigene Wahrheit. Und wer diesen Weg geht, muss akzeptieren, dass er für seine Probleme keine gesellschaftliche Streicheleinheit bekommt – aber dafür am Ende seines Lebens auch keine Reue spürt.
